Die Zehn Gebote

Die Zehn Gebote

Jeder kennt sie. Jeder meint jeder, sie befolgen zu können. Jeder bildet sich ein, nach den Geboten leben zu können und glaubt deshalb, ein „guter Mensch“ zu sein. Aber aber kaum einer weiß, welche Gebote es überhaupt gibt – und noch weniger, was sie eigentlich bedeuten.

Vor vielen Jahren gab es eine Umfrage unter den Politikern der CDU – und zwar in einer Zeit, als das „C“ im Namen offiziell noch etwas galt. Also lange bevor sich diese Partei in eine sozialistische „SED 2.0“ verwandeln ließ und ihre bürgerliche Basis verriet. Die Frage lautete: Nennen Sie eines der zehn Gebote. Kaum einer der befragten Politker konnte auch nur ein einziges nennen – und wenn es eines war dann war es oftmals das Gebot „Du sollst nicht lügen“ – für Politiker bezeichnend. Dabei gibt es dieses Gebot nicht einmal.

Mose hat die Zehn Gebote von Gott am Berg Sinai nach dem Auszug aus Ägypten erhalten. Gott gab den Menschen Seine Geote auf zwei steinernen Tafeln und damit Seine ethischen Grundsätze. Ein Mensch, der diese Gebote halten kann, lebt in Gottes Willen.

Die Zehn Gebote werden auch „Dekalog“ (von δεκαλογος – dekalogos, zehn Worte) genannt. Dieser Begriff wird auch von den Juden benutzt. Die Zählweise der zehn Gebote ist in der Kirche unterschiedlich. Ich orientiere mich hier an der Zählung, wie sie von der reformierten Kirche und vielen Freikirchen genutzt wird. Zum großen Teil wird diese Zählung auch den Juden genutzt, denen man wohl die größte Erfahrung mit den zehn Geboten zusprechen kann.

Gott stellt sich selbst vor

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft, herausgeführt habe.

2. Mose 2, 2

Gott stellt sich zunächst vor: Er ist Gott. Er gibt uns Gebote, stellt damit also die „Spielregeln“ auf, nach denen wir zu leben haben. Er darf das, weil er der Schöpfer und unangefochtener Souverän ist. Er sagt aber noch etwas anderes: Er ist in Vorleistung getreten. Er fordert nicht nur, sondern zuerst gibt er – im Fall des Volkes Israel war es die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten und die Freiheit. In unserem Fall der Tod seines einzigen Sohnes und damit die Befreiung von der Folge der Sünde: Dem Tod.

Das erste Gebot

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!

2. Mose 20, 3

Tatsächlich ist alles ein Gott, woran wir unser Leben hängen: Geld, unsere Familie, unser Erfolg – am Ende vielleicht sogar wir selbst. Besonders Geld ist heutzutage etwas, dem viele Menschen nachlaufen. Na klar, wer will nicht reich werden? Aber sein Leben darauf auszurichten, viel Geld zu besitzen, betet letztlich den Gott „Mammon“ an, wie er in der Bibel genannt wird. Jesus stellt klar, dass der Mensch immer nur einem Gott dienen kann (Matthäus 6, 24).

Dabei hat Gott nichts dagegen, dass wir reich werden. Die Frage ist nur, wie wichtig das Geld für uns ist. Nimmt es die Stellung Gottes ein, beten wir es an.

Ein anderes Beispiel: Immer wieder begegne ich Menschen, die mir anhand meines Geburtstages ungefragt sagen, unter welchem Sternbild ich geboren wurde. Ich finde so etwas irritierend: Wenn doch niemand an die Sterne glaubt, wieso beschäftigt man sich so intentiv damit, dass man weiß, wann welches Sternzeichen gilt? Gott verurteilt die Verehrung der Schöpfung (5. Mose 17, 2-5). Ihm allein gebührt Anbetung und Ehre. Wer sie ihm verweigert, verstößt gegen das erste Gebot.

Das zweite Gebot

[4] Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern, unter der Erde ist.
[5} Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen,
[6] der aber Gnade erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

2. Mose 20, 4-6

Gott verbietet nicht die Herstellung von Bildern oder Statuen. Er selbst hat ja ein Ebenbild von Cherubim in Auftrag gegeben (2. Mose 25, 18). Nicht die Herstellung von Bildern ist verboten, sondern ihre Anbetung und Verehrung. Dieses Gebot ist damit eine Erweiterung des ersten Gebots.

In der jüdischen Zählung werden deshalb beide Gebote zusammen als das zweite Gebot gezählt, die Selbstvorstellung Gottes ist das erste „Wort“ (die Juden nennen sie – wie bereits erwähnt – nicht die „Zehn Gebote“, sondern die „Zehn Worte“).

Gott verbietet die Verehrung von Statuen, Symbolen oder Bildern – und er begründet das in Vers 5: „Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott“. Hier lesen wir das erste Mal in der Bibel eine Eigenschaft Gottes. Die Ehre und Anbetung, die ihm zustehen, teilt er mit keinem anderen. Außerdem warnt Gott auch vor der Folge: Er verfolgt den Menschen, der das tut. Die Formulierung, dass er die Schuld der Väter an den folgenden Generationen heimsucht, wird oft missverstanden: Nein, du wirst nicht bestraft für die Sünde, die dein Vater begangen hat (Jeremia 31, 29-20). Aber wenn du Gottes Gebot missachtest, erziehst du deine Kinder in der Weise, dass auch sie in Rebellion zu ihm leben. Damit ist die „Verfolgung bis in die dritte und vierte Generation“ gemeint. Eltern müssen also beachten: Nicht nur im „normalen“ Leben, auch geistlich gesehen tragen sie Verantwortung für ihre Kinder.

Kinder, die so erzogen wurden, verstoßen später oftmals gegen das fünfte Gebot („Du sollst Vater und Mutter ehren“). Daran können wir erkennen, dass der Verstoß eines einzelnen Gebotes oftmals den Verstoß eines anderen – durch uns selbst oder durch andere – nach sich zieht.

Das dritte Gebot

[7] Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen! Denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

2. Mose 20, 7

Wem ist nicht schon ein „oh Gott“ entfallen. Beliebt ist auch das Kürzel „OMG“ für „Oh My God“. Auch hören wir öfter „Um Gottes Willen“ oder „Gott sei Dank“. Diese Ausrufe, die den meisten entfallen, sind nichts anderes als das missbräuchliche Aussprechen des Namens Gottes und damit eine Lästerung. Gott ist heilig, deshalb darf sein Name natürlich angerufen werden. Aber niemas für etwas anderes missbraucht werden. Er droht – wie auch im zweiten Gebot – demjenigen Strafe an, der gegen dieses Gebot verstößt. Nur,weil er nicht sofort jeden, der seinen Namen missbräuchlich verwendet, mit Feuer vom Himmel vernichtet, bedeutet das nicht, dass er sich alles gefallen lässt. Gott ist langsam zum Zorn (2. Mose 34, 6), aber auch nicht vergesslich. Deshalb muss ich eine ernthafte Warnung an alle aussprechen, die das tun.

Ein interessantes Erlebnis hatte ich einmal mit einer Arbeitskollegin, von der sehr häufig „oh mein Gott“ zu hören war. Ich sagte ihr, dass es mich wirklich ärgert, dass sie ständig den Namen desjenigen ausspricht, der mir am wichtigsten ist. Das scheint gewirkt zu haben: ich habe es von ihr nie wieder gehört.

Das vierte Gebot

[8] Gedenke an den Sabbattag und heilige ihn!
[9] Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun;
[10] aber am siebten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun; weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der innerhalb deiner Tore lebt.
[11] Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darin ist, und er ruhte am siebten Tag; darum hat der HERR den Sabbattag gesegnet und geheiligt.

2. Mose 20, 8-11

Der Sabbat ist der letzte Tag der Woche (1. Mose 2,2), auf unserem Kalender ist es der Samstag. Christen haben ihn gegen den Sonntag getauscht, weil an diesem Tag Jesus auferstanden ist (Lukas 24,1, Offenbarung 1,10 s. Exkurs „Der Tag des Herrn / Des Herren Tag„). Mir geht es nicht um die Diskussion, ob der Samstag oder Sonntag der richtige Ruhetag ist. Es geht darum, dass Gott uns Tage zur Arbeit gesetzt hat, aber einen Tag der Woche, der ihm gehören soll. Wir sollen arbeiten, aber unsere Arbeit auch ruhen lassen, auch die uns Anvertrauten (Angestellte und sogar das Vieh) sollen sich ausruhen können.

Unser Körper ist auf diesen 7-Tages-Rhythmus eingestellt. Wer sich darüber hinwegsetzt, riskiert auf Dauer psychische und/oder körperliche Schäden. Wir brauchen gar nicht mal eine Strafe Gottes. Unser Körper rebelliert schon von ganz allein, wenn wir ihm keine Ruhe gönnen.

Gott will aber mit diesem Gebot nicht nur einen Ruhetag für uns. Er gibt uns einen Tag, den wir mit ihm verbringen dürfen. Trotz Arbeit und Stress bedeutet dieser freie Tag: Zeit für das Lob Gottes, auftanken in Seiner Gegenwart, damit wir mit neuer Kraft die nächste Woche überstehen können.

Exkurs: Der Tag des Herrn / Des Herren Tag

Die Bibel nennt an verschiedenen Stellen den „Tag des Herrn“ (ημεραν κυριος – hemeran kyrios), wie in Apostelgeschichte 2, 20; 1. Korinther 5, 5; 1. Tessalonicher 5, 2 u.a. Dies ist ein feststehender Begriff und bezeichnet die Wiederkunft Jesu, in der er die Völker der Welt richtet. Auch in den Propheten des Alten Testamentes finden wir diesen Begriff (Jesaja 13, 6; 13, 9; Jeremia 46,10; Klagelieder 2, 22; Hesekiel 30, 3 usw.). Der „Tag des Herrn“ ist in der Bibel feststehend für das Gericht Gottes, übrigens der einzige „Tag“, der vielleicht 24 Stunden dauert, aber auch durchaus länger sein kann.

Der Begriff in Offenbarung 1, 10 ist ein anderer. Hier steht „des Herren Tag“ (κυριακος ηεμερα – kyriakos hemera). Wir müssen tatsächlich die Stellung der Worte beachten. Wie wir wissen, ist die Bibel vom Heiligen Geist inspiriert (2. Timotheus 3,16), deshalb dürfen und müssen wir die Worte der Bibel „auf die Goldwaage legen“. Hier machen mit Ausnahme der Elberfelder Übersetzung alle anderen von mir geprüften Übersetzungen den Fehler, dass sie die Wortstellung nicht beachten und hier ebenfalls „Tag des Herrn“ übersetzen. Dabei ist es egal, welcher Urtext der Übersetzung zugrunde liegt (Textus Receptus oder Neste Aland). Die Wortstellung ist in beiden gleich.

Wegen des feststehenden Terminus macht es schon einen Unterschied. Denn: Johannes schreibt, dass er im Geist war, also die Visionen der Offenbarung erhielt. Das war logischerweise nicht am „Tag des Herrn“, denn dieser Tag (genauer: das Ereignis) kommt erst noch. Johannes erhält seine Vision an dem Tag, der dem Herrn gehört, also dem Sonntag. Die Gemeinde hat ihren Gottesdienst schon damals am Sonntag gefeiert. Deshalb war Johannes an dem Tag im Geist mit der Gemeinde verbunden, an dem sie ihren Gottesdienst feierte.

Das fünfte Gebot

[12] Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt!

2. Mose 20, 12

Eltern und Kinder sind ein Leben lang miteinander verbunden. Wie Eltern die Pflicht haben, für ihre Kinder zu sorgen (wie ich das im zweiten Gebot beschrieben habe), gilt das gleiche Gebot für die Kinder, sich um die Eltern in ihrem Alter zu kümmern.

„Eltern ehren“ heißt nicht zwingend, ihnen blind zu gehorchen. Es heißt aber, ihren Ratschlägen zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Eltern schöpfen nun einmal aus einem größeren Erfahrungsschatz. Das müssen Kinder berücksichtigen, wenn sie das fünfte Gebot erfüllen wollen. „Eltern ehren“ heißt aber auch: sich um ihr Wohlergehen zu bemühen und ihnen im Alter beizustehen.

Das bemerkenswerte am fünften Gebot ist, dass es das einzige mit einer Verheißung ist. „Lange im Land leben“ wurde zwar den Israeliten in einer Zeit versprochen, als sie überhaupt noch kein eigenes Land hatten. Aus der Geschichte des Volkes Israel wissen wir aber, dass sie zwei Mal ihr Land verloren hatten. Selbstverständlich lag das nicht nur daran, dass Kinder nicht ihre Eltern geehrt hatten, war aber bestimmt auch ein Grund. Die mangelnde Ehre der Eltern ist ein Zeichen für den moralischen Niedergang einer Gesellschaft, dem der Zerfall und schließlch die Vertreibung folgen – und das galt nicht nur dem Volk Israel, sondern auch uns heute.

Was noch auffällt: Die ersten vier Gebote beziehen sich auf die Beziehung des Menschen zu Gott, die Gebote fünf bis zehn auf die Beziehung der Menschen untereinander. Die Gebote werden jeweils ihrer Wichtigkeit entsprechend genannt. Man sollte ja meinen, dass das sechste Gebot („Du sollt nicht töten“) wichtiger sei als die Ehre der Eltern. Gott sieht das aber offensichtlich nicht so. Ich hatte schon ausgeführt dass die verweigerte Ehre der Eltern letztlich zur Zerstörung der Familie und damit der Gesellschaft führt. Weil Gott das weiß, setzt er das fünfte Gebot an die erste Stelle.

Das sechste Gebot

[13] Du sollst nicht töten!

2. Mose 20,13

Dieses Gebot ist missverständlich übersetzt. Zum Glück wurde es bisher nur auf das Töten von Menschen bezogen. Aber vom Wortlaut her könnte man es auch auf das Töten von Tieren beziehen, was natürlich Unnsinn ist, weil Gott explizit das Essen von Tieren erlaubt hat. Wie sollen wir es denn dann verstehen? Gott befiehlt doch auch das Töten: Eines Mörders, eines Ehebrechers und auch der Völker, die das Land Kanaan bewohnten, um sie zu richten. Wie kann Gott einerseits das Töten verbieten und dann wieder befehlen?

Dazu müssen wir wissen, dass die hebräische Sprache verschiedene Worte für das Töten kennt. Im sechsten Gebot wird das Wort „razach“ benutzt. Dieses Wort kommt im Alten Testament 47 Mal vor. Es wird immer mit „Totschlag“ oder „Mord“ übersetzt, tatsächlich nur ein einziges Mal mit „töten“, nämlich hier im sechsten Gebot. Niemals steht es im Zusammenhang mit Gott. „razach“ tun also nur Menschen.

Das zweite Wort „harag“ hat eine weitere Bedeutung. Es wird 165 Mal benutzt und steht für alle Formen des Tötens, also das Töten, Erschlagen aber auch das Morden und ist deshalb undifferenzierter.

Weil Gott im sechsten Gebot das Wort „razach“ benutzt, halte ich den Begriff „töten“ für die nicht ganz passende Übersetzung. Sie wird zwar von allen Bibelübersetzungen benutzt. Selbst die englische King James -Übersetzung schreibt „you shall not kill“, also ebenfalls töten. Wie erwähnt ist das sechste Gebot die einzige Stelle, in der das Wort mit „töten“ übersetzt wird. Hier wäre nach meiner Meinung das Wort „morden“ die bessere Wahl. Damit sollte das Gebot also lauten: „Du sollst nicht morden“. Viele Theologen sehen das übrigens genauso.

Für mich ist das etwas unverständlich, weil dadurch das biblische Gebot in eine Ecke gedrängt wird, wo es nicht hingehört. Übertriebene Pazifisten nennen Soldaten „Mörder“ und berufen sich auf dieses Gebot. Das halte ich für falsch. Wer sein Land und damit seine Heimat und seine Familie verteidigt, ist kein Mörder. Bei einem Angriffskrieg mag man zu anderen Schlüssen kommen, das ist aber nicht unser Thema.

Offensichtlich haben die Juden, die die Septuaginta übersetzten (die griechische Übersetzung des Alten Testaments, entstanden im 2. Jahrhundert vor Christus), dieses Gebot ebenso verstanden: Sie benutzen das Wort „φονευω“ (phoneuo – morden).

Nachdem wir die – nach meiner Meinung richtige – Übersetzung geklärt haben, müssen wir uns Gedanken machen, was die Bibel überhaupt als Mord bezeichnet.

In der berühmten Bergpredigt (Matthäus 5 – 7) hat Jesus verschiedene Gebote aufgegriffen und ihre göttliche Meinung und Interpretation erklärt. Sie erscheinen uns dadurch deutlich verschärft. Jesus hat also klar gesagt, wo in den Augen Gottes ein Mord anfängt:

[21] Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht morden, wer aber mordet, der wird dem Gericht verfallen sein.
[22] Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt, wird dem Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: „Raka“ (= ein Ausdruck der Verachtung), der wird dem Hohen Rat verfallen sein. Wer aber sagt: Du Narr, er wird dem höllischen Feuer verfallen sein.

Matthäus 5, 21-22

Matthäus benutzt im Vers 21 („Du sollst nicht töten“) in seinem Evangelium das gleiche Wort „φονευω“ (phoneuo – morden), das wir in der Septuaginta bereits fanden und mit „morden“ zu übersetzen ist. Ich hae deshalb die richtige Bedeutung geschrieben.

Schon das Verachten oder Hassen eines Bruders (damit ist auch ein anderer Christ gemeint) bezeichnet Jesus als Mord. Damit hängt Jesus die Anforderungen noch einmal deutlich höher als sie in den Geboten ohnehin schon sind.

Aber: Jesus sagt „ohne Ursache“. Wenn jemand durch sein Handeln unseren Zorn auf sich zieht, gelten andere Maßstäbe. Hier geht es besonders darum, wenn der Andere selber eines der Gebote übertreten hat und wir die Leidtragenden sind. Allerdings erlaubt Gott uns nicht, uns zu rächen, denn das wird er tun (5. Mose 32, 35).

Wenn bereits die Verachtung und der Hass gegenüber einem nahestehenden Menschen oder Mitchristen von Gott als Mord bezeichnet und bestraft wird – wieviel mehr das, was wir selbst als Mord bezeichnen. Aber auch das, was aus ideologischen Gründen heute als „Kavalliersdelikt“ bezeichnet wird: Die Abtreibung. Das, was im Köper einer Frau heranwächst wird dann gerne als „Fötus“ oder sogar „Zellhaufen“ bezeichnet. Damit werden die ungeborenen Kinder wie ein Krebsgeschwür behandelt und bezeichnet. Aber dennoch ist es ein Kind mit eigenem Leben, eigener Seele und eigener Persönlichkeit. Gott schenkt Leben. Wer dieses Leben tötet, begeht einen Mord. Punkt! Hier lässt Gottes Wort keinen Spielraum zu. ihre Doppelmoral treiben die „Abtreibungsaktivisten“ dann noch auf die Spitze, indem sie das „Kükenschreddern“ aufs Schärfste verurteilen. Damit ich nicht missverstanden werde: Der Umgang mit Gottes Schöpfung muss liebevoll und sorgfältig sein. Auch bei Küken. Aber wir wollen doch auch die Verhältnismäßigkeit wahren: Ein Menschenleben ist ungleich mehr wert als das eines Tieres (Lukas 12, 24).

Aber noch eine andere Tat müssen wir im Licht des sechsten Gebotes sehen: die so genannte „Organspende“. Man darf nicht vergessen, dass einem noch lebenden Körper Organe entnommen werden, der dadurch stirbt. Der Begriff des „Hirntodes“ ist überhaupt erst geschaffen worden, um eine Begründung für die Organentnahme zu haben, während das Herz noch schlägt. Das schlagende Herz ist ja eigentlich der Unterschied zwischen einem lebenden und toten Körper. Damit schwingen sich Ärzte über Richter von Leben und Tod auf, weil nur sie entscheiden können, ob der Betreffende „hirntot“ ist oder nicht. Uns Laien bleibt nichts anderes übrig, als das zu glauben. Mir ist klar, dass dieses Thema sehr unterschiedlich bewertet wird. Nachdem ich mich aber mit der sogenannten Organspende auseinander gesetzt habe, komme ich zu dem Schluss, dass die „Organspende“ kein Gnadenakt an einem fast Sterbenden ist, sondern ein Mord an einem Hilfsbedürftigen. Der Organempfänger wird das sicherlich anders sehen. Der „Organspender“ allerdings nicht – wenn man ihn denn fragen würde.

Beides – Abtreibung und Organspende – sind Mord an Hilflosen. Menschen, die unseren Schutz brauchen, werden hier zur Verfügungsmasse. Das Verhalten, das immer wieder als „menschlich“ bezeichnet wird, bekommt hier eine neue Bedeutung: Der Mensch ist grausam und ist ein Mörder von Anfang an (1. Mose 4, 8). Diese Taten dann mit der Lösung eines „schweren sozialen“ Problems oder als „Gnadenakt an einem Todgeweihten“ zu bezeichnen, sind lediglich euphemistische Wortklaubereien und Beschönigung eines Mordes.

Das siebte Gebot

[14] Du sollst nicht ehebrechen!

2. Mose 20, 14

Fragen wir einmal Jesus, was er dazu in der Bergpredigt sagt:

[27] Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen!«
[28] Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

Matthäus 5, 27-28

Dem muss ich nichts mehr hinzufügen. Bei Gott ist bereits ein begehrender Blick Ehebruch. Und dabei ist es egal, ob „das ja jeder macht“. Manfred Siebald schrieb in einem Lied, dass Unrecht durch Addition nicht kleiner wird.

Auch wenn wir heute den Ehebruch als ein minder schweres Vergehen betrachten, nimmt Gott ihn so ernst, dass er auf den Ehebruch im Alten Testament die Todesstrafe für den Ehebruch vorsah (3. Mose 20, 10). Der Grund: Die Ehe ist die intimste Gemeinschaft von zwei Menschen, die es gibt. Wer diese Gemeinschaft zerstört, zerstört auch Vertrauen und die gemeinsame Lebensbasis. Das hat außerdem bleibende Folgen für die Kindern, die anschließend Gefahr laufen, das fünfte Gebot zu übertreten.

Das achte Gebot

[15] Du sollst nicht stehlen!

2. Mose 20, 15

Eine „geschönte“ Steuererklärung, ein etwas „frisierter“ Betrag bei einem Versicherungsschaden oder eine „steuerneutrale“ Einnahme bzw. Ausgabe – wer hat das noch nicht gemacht? Hast du als Kind deinen Eltern mal etwas Geld aus dem Portemonnaie „gemopst“? Selbst wenn diese Taten schon Jahre her sind: Wir müssen bedenken, dass Gott unsere Taten nie vergisst, auch wenn sie uns schon lange entfallen sind (Jesaja 59,12).

Dabei habe ich den „wahren“ Diebstahl noch gar nicht angesprochen. Der ist mit diesem Gebot natürlich auch gemeint.

Das neute Gebot

[16] Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten!

2. Mose 20, 16

Dieses Gebot wird gern auch mit „du sollst nicht lügen“ umgedeutet. Das steht hier aber nicht. Das neunte Gebot redet vom falschen Zeugnis. Hier ist zunächst das Auftreten als Zeuge vor Gericht gemeint:

Wer des Todes schuldig ist, soll auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen hin getötet werden. Aber auf die Aussage eines einzigen Zeugen hin soll er nicht getötet werden.

5. Mose 17, 6

Ein einzelner Zeuge soll nicht gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Schuld oder wegen irgendeiner Sünde, mit der man sich versündigen kann; sondern auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen soll jede Sache beruhen.

5. Mose 19, 15

Gegen einen Ältesten (=Gemeindeleiter) nimm keine Klage an, außer aufgrund von zwei oder drei Zeugen.

1. Timotheus 5, 19

Gemeint ist aber auch das beurteilende (oder genauer: das verurteilende) Gespräch über Andere. Was wir über andere erzählen, muss der Wahrheit entsprechen. Selbstverständlich ist die Übertretung dieses Gebotes auch eine Lüge. Aber – ich wiederhole mich – das steht hier nicht und ist auch nur nachrangig gemeint.

Und was ist mit Lügen?

Was uns merkwürdig anmutet, ist: Die Bibel verbietet nicht explizit das Lügen. Das Gebot „du sollst nicht lügen“ gibt es deshalb nicht. Gott trägt damit Rechnung, dass unsere Welt seit dem Sündenfall nicht mehr perfekt ist. Das Böse nimmt viel zu oft überhand. Deshalb kann manchmal eine Notlüge durchaus notwendig und richtig sein. In der richtigen Situation zu einem richtigen Zweck zu lügen, kann für den Lügner sogar Segen bedeuten:

Beispiel 1: Schiphra und Pua, zwei hebräische Hebammen, haben den Befehl des Pharaos ignoriert und entgegen seinem Befehl nicht nur die neu geborenen Jungen verschont – sie haben ihn auch noch angelogen. (2. Mose 1, 15-20). Gott segnete sie dafür, dass sie ihm mehr gehorcht haben als dem Pharao.

Beispiel 2: Als das Volk Israel nach der 40-jährigen Wüstenwanderung vor Jericho lagerte, schickte Josua zwei Kundschafter aus. Sie versteckten sich im Haus von Rahel. Als Soldaten kamen, die Kundschafter zu suchen, log Rahel sie an (Josua 2, 1-6). Rahab wird für diese Lüge mit der Rettung bei der Eroberung Jerichos belohnt.

Diese zwei Beispiele sind aber kein „Persilschein“, dass Lügen immer erlaubt ist. Im Gegenteil: Jesus sagt ganz klar, dass wir vertrauenswürdig sein sollen. Was wir anderen sagen, muss der Wahrheit entsprechen (Matthäus 5, 37). Wo aber das Böse von uns eine Tat fordert, die Gottes Geboten widerspricht, ist eine Lüge erlaubt. Eben weil das so ist, hat Gott nie das Gebot „Du sollst nicht lügen“ gegeben. Für viele Juden im Dritten Reich wäre ein solches bedingungsloses Gebot fatal gewesen. Wie viele von ihnen wurden gerettet, weil ihre Retter die Mörder anlogen!

Das zehnte Gebot

[17] Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten! Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, noch sein Rind, noch seinen Esel, noch irgendetwas, das dein Nächster hat!

2. Mose 20, 17

Dieses Gebot hat mir bei der Ausarbeitung die größten Schwierigkeiten gemcht: Was soll ich dazu schreiben? Was bedeutet „begehren“ – und warum ist das so schlimm? Es ist ja noch nichts passiert. Da hatte ich mein „Heureka“: Nein, passiert ist tatsächlich noch nichts, aber es wird etwas passieren! Wer der Begierde, von der hier die Rede ist, nachgibt, wird einen Anderen schädigen. Er wird ihn bestehlen oder ihm sogar noch Schlimmeres antun. Das zehnte Gebot hat deshalb die Funktion einer „Warnsirene“. Man kann – noch bevor eine Straftat begangen wird – auf das Verlangen reagieren und gegensteuern.

Das Begehren, von dem im zehnten Gebot die Rede ist, meint ein neidisches, verlangendes und missgünstiges Begehren. Das Brechen dieses Gebotes bedeutet deshalb, dass mindestens ein weiteres Gebot gebrochen wird.

Eine besonders arglistige und bösartige Geschichte zu diesem Thema lesen wir in 1. Könige 21,1-16, in dem gleich drei Gebote gemeinsam mit dem zehnten Gebot gebrochen werden, um die Besitzgier des Königs zu befriedigen: Das sechste Gebot („Du sollst nicht töten“), das achte Gebot („Du sollst nicht stehlen“) und das neunte Gebot („Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“).

Die Geschichte, die ich hier zitiere, ist natürlich ein „besonderes“ Exemplar. Es geht aber auch ein paar Nummern kleiner, nämlich das, was wir täglich erleben: Der Reiche und Mächtige übervorteilt den Armen und Schwachen, um ihm das bisschen Vermögen zu nehmen, das er hat. Oder die Diffamierung eines Arbeitskollegen, der eine Stellung innehat, an der man selbst interessiert ist. In diesem Zusammenhang möchte ich auch an „The Great Reset“ erinnern – eine neue Weltordnung, die Klaus Schwab, der Gründer und Leiter des Weltwirtschaftsfoums, gemeinsam mit Prinz Charles vorgestellt hat und in seinem gleichnamigen Buch beschrieben hat. (Das Buch kann von jedermann gekauft werden. Ich verlinke es hier aus Gründen der Abscheu nicht und empfehle jedem, die Rezensionen zu lesen und vom Kauf Abstand zu halten. Wenn das Buch trotz dieser desaströsen Beurteilung angeblich mehr positive als negative Meinungen hat, ist bewiesen: Für „Eliten“ gilt auch Ehrlichkeit nichts. Diese „Meinungen“ sind entweder automatisch zugesteuert oder gekauft.) Auch im „Great Reset“ soll die Besitzgier der Reichen und Mächtigen auf Kosten der Armen und Schwachen befriedigt werden.

Das Fazit

Glaubt noch irgend jemand, die zehn Gebote erfüllen zu können? Falls das tatsächlich noch jemand glaubt, dem empfehle ich die Lektüre von 1. Johannes 1, 10. Dort lesen wir: Wir können die zehn Gebote nicht erfüllen. Warum stehen sie denn dann überhaupt in der Bibel? Den Grund finden wir in Römer 3. 20: Die Gebote stehen in der Bibel, damit uns klar wird, dass wir Sünder sind. Auch in Römer 8, 3-4 schreibt der Apostel Paulus: Gott gab die Gebote, damit wir an ihnen erkennen können, dass wir vor Gott schuldig sind. Wer die Zehn Gebote kennt, kann sich nicht vor Gott herausreden. Diese Sünde können wir nur loswerden durch die Gnade Gottes, der seinen Sohn geopfert hat. Jesus ist unseren Tod an unserem Kreuz gestorben. Weil die Folge der Sünde der Tod ist, muss jemand für unsere Sünden sterben. Das war Jesus Christus, der Sohn Gottes. Wer Jesu Sühnetod für sich persönlich glaubt und annimmt, geht ohne Schuld aus dem „Tag des Herrn“.

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