Untertan oder Gottesknecht

Untertan oder Gottesknecht

Was hat Daniel zu einem so besonderen Mann gemacht, dass er von Gott als “Geliebter” bezeichnet wurde? Was ist es gewesen, dass er sich vorbildlich verhalten hat und wie können wir von ihm lernen?

Seit der Coronakrise gibt es immer wieder Diskussionen zwischen Christen zu Gottesdienst- und Gesangverboten: Wie haben wir uns zu verhalten? Müssen wir der Obrigkeit gehorchen, wie in Römer 13 beschrieben? Oder müssen wir offen in Rebellion zum Staat stehen, weil wir Gott mehr gehorchen müssen, wie das Petrus in Apostelgeschichte 5, 29 sagt? Liegt die Wahrheit in der Mitte, so dass man sagen könnte “Im Prinzip ja, aber…”? Gibt es etwas, woran wir uns orientieren können?

Dazu lesen wir die Verse aus dem Römerbrief vom Apostel Paulus:

[1] Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet.
[2] Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen.
[3] Denn die Gewalt haben, muss man nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr erhalten.
[4] Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der Böses tut.
[5] Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen.
[6] Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht.
[7] So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.

Römer 13, 1-7

Der Text aus Apostelgeschichte beschreibt die Antwort der Apostel, nachdem ihnen von den Pharisäern verboten wurde, von Jesus Christus zu erzählen:

[26] Da ging der Hauptmann mit den Dienern hin und führte sie herbei (=Petrus mit den Aposteln), doch nicht gewaltsam, damit sie nicht gesteinigt würden; denn sie fürchteten das Volk.
[27] Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat; und der Hohepriester fragte sie
[28] und sprach: Haben wir euch nicht streng verboten, in diesem Namen (=Jesus Christus) zu lehren? Und siehe, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen!
[29] Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Apostelgeschichte 5, 26-29

Auf den ersten Blick widersprechen sich beide Aussagen. Wir müssen uns entscheiden, was in einer bestimmten Situation gilt: Entweder wir haben uns der Obrigkeit unterzuordnen (wie in Römer 13 beschrieben) oder wir dürfen – ja: wir müssen – Menschengesetze übertreten, weil wir Gottes Geboten gehorchen müssen. Aber widersprechen sich die Bibelverse tatsächlich? Wenn sie das täten, wäre die Bibel nicht Gottes Wort und nicht fehlerfrei. Deshalb lohnt es, genauer hinzuschauen. Dazu untersuchen wir einmal die Aussage aus dem Römerbrief.

Jede Obrigkeit ist von Gott

Es gibt keine Regierung, die nicht von Gott einberufen wurde. Egal, wie grausam oder menschenverachtend sie auch sein mag: Sie wurde von ihm nicht nur zugelassen, sondern sogar eingesetzt. Das bedeutet, dass Gott bei der Einsetzung einer Regierung nicht passiv die Menschen gewähren ließ sondern selbst aktiv tätig war. Er setzt Regierungen und Mächte ein und setzt sie ab (Daniel 2,21). Aus diesem Grund ist Widerstand gegen die Obrigkeit auch Widerstand gegen Gott. Das gilt uneingeschränkt, also auch für das Dritte Reich, das uns ja als “Paradebeispiel” für eine schlechte Regierung gilt. Damit ich nicht missverstanden werde: Ich habe höchste Achtung vor Menschen, die im Dritten Reich bereit waren, ihr Leben für die Freiheit ihres Volkes einzusetzen, wie z. B. die Weggenossen von Graf von Stauffenberg. Das mag menschlich gesehen auch richtig sein. Aus biblischer Sicht ist es das nicht. Mir ist keine Bibelstelle bekannt, aus der man einen gewaltsamen Putsch herleiten könnte.

Die Obrigkeit schützt das Gute und bestraft das Böse

Die Obrigkeit ist zu fürchten, weil sie das Gute beschützt und das Böse bestraft. Jeder Straftäter hat die Obrigkeit wegen seiner Taten zu fürchten, denn sie hat die von Gott angeordnete Gewalt, den zu bestrafen, der Böses tut.
Was ist aber, wenn die Obrigkeit das Böse fordert und das Gute verbietet? Dürfen bzw. müssen wir uns nicht dagegen wehren? Hie müssen wir zunächst einmal feststellen, was “Gut” und “Böse” überhaupt ist. Wer legt das fest und was ist der Maßstab? Die Antwort ist ganz klar: Gut und Böse werden in der Bibel festgelegt, also von Gott selbst. Die Bibel ist Gottes Wort, sie gibt uns Lebens- und Verhaltensregeln und nennt Gut und Böse (Jesaja 5, 20). Diese Regeln gelten nicht nur für Christen, sondern für alle Menschen, weil Gott der Schöpfer aller Menschen ist. Deshalb stellt er die “Spielregeln” für unser Leben, und damit auch für Regierungen auf.

Da, wo die Regierung gegen den biblischen Maßstab verstößt, muss sie auf ihre falsche Handlung hingewiesen werden. Das ist die Aufgabe von Christen – und damit eigentlich der Kirche, wäre sie nicht selbst zu einer politischen Institution verkommen, in der ein Gottesdienst mehr einem Parteitag einer linksideologischen Partei gleicht. Wenn also die Kirche ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommt, dann müssen das die “Christen von der Straße” tun. Das Problem ist nur: Niemand hört auf sie. Das ist aber das Problem der Regierung, nicht der Christen. Beide – Christen wie die Regierung – werden von Gott für ihr Tun oder Nicht-Tun zur Verantwortung gezogen. Christen, wenn sie schweigen und die Regierung, wenn sich nicht hört. Für die Regierung kommt aber noch ein weiterer wichtiger Punkt hinzu: Verstößt sie gegen Gottes Gebote, ist sie nicht mehr Gottes Dienerin. Der (gewaltlose) Widerstand der Bevölkerung wäre in diesem Fall nicht mehr nur erlaubt, sondern sogar Pflicht.

Unabhängig davon, ob die Regierenden auf die Christen hören oder nicht: Jeder Mensch hat von Gott ein Gewissen erhalten, das über Gut und Böse entscheidet. Man mag es kaum glauben, aber auch auf Politiker trifft das zu. Wenn die Regierung nicht mehr das Gute fordert und fördert sondern das Böse, hat sie ihr Vorrecht als Gottes Dienerin verloren. Die Strafe dafür kommt aber nicht von Menschen sondern von Gott höchstpersönlich (5. Mose 32, 35).

Unsere Schuldigkeit der Obrigkeit und Gott gegenüber

Paulus endet mit dem Hinweis: “So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.” Wem aber gebühren Steuer, Zoll, Furcht und Ehre? Das wollen wir uns ein wenig genauer ansehen.

Zoll und Steuern

Die Antwort, wem Steuern und Zoll gebühren, ist einfach. Vor allem deshalb weil Jesus selbst in Matthäus 22, 15-22 das sagt: Dem Kaiser ist zu geben, was “des Kaisers” ist, mit anderen Worten: Dem Staat das zu geben, was ihm zusteht, also Steuern und Zoll. Jesus hat selbst bei der Frage nach der Steuer darauf geantwortet.

Furcht und Ehre

Auch bei der Furcht sind wir geneigt, auf Paulus zu verweisen und zu meinen, dass ja die Obrigkeit zu fürchten sei, denn – so schreibt Paulus ja – sie “trägt das Schwert” – mit anderen Worten: Sie hat die Gewalt. Dazu hat aber Jesus selbst noch ein Wörtchen mitzureden (Matthäus 10,28). Nicht Menschen (= die Obrigkeit), sondern Gott haben wir zu fürchten. In diesem Licht bekommt die Diskussion darüber, ob der Regierung unbedingter Gehorsam zu leisten ist, auf einmal eine neue Bedeutung. Ja, der Obrigkeit müssen wir gehorchen und sie auch fürchten, aber Gott haben wir mehr zu fürchten. Deshalb stehen seine Gebote auch über den der Menschen.

In diesem Zusammenhang können wir uns das Vorbild des Propheten Daniels betrachten. Sein Leben zeigt uns, wie wir im Rahmen des Gehorsams zwischen Gesetze und den Geboten Gottes leben können.

Daniel – Gehorsamer Untertan und Gottesknecht

Daniel wurde als 15- bis 16-jähriger Junge im Jahr 606 v. Chr. nach Babylon gebracht, um am Königshof Nebukadnezars zu dienen. Er wurde erzogen, seine Herkunft, seine Nationalität und sogar seine Religion zu vergessen. Er musste die Speisen essen, die es am babylonischen Hof gab und damit den Speisevorschriften der Bibel widersprechen. Er hatte die chaldäische Sprache zu lernen und sollte seine Muttersprache vergessen (Daniel 1, 1-6). Sogar sein Name wurde ihm genommen, indem man ihn “Beltsazar” nannte (Daniel 1, 7). Das, was der junge Daniel erlebte, war im Prinzip eine Gehirnwäsche, durch die er vollkommen in der babylonischen Kultur und Gesellschaft integriert werden und er seine Herkunft vergessen sollte.

Was aber Daniel auszeichnete, war der Gehorsam gegenüber dem König einerseits, aber andererseits der Gehorsam gegenüber Gott. Er lehnte sich nie gegen die jüdische Gefangenschaft in Babylon auf. Im Gegenteil: Er beugte sich unter sie, sah sie als Strafe Gottes an und freute sich darauf, ihr Ende zu sehen (Daniel 9,1-6).

Gleichzeitig aber hatte er “rote Linien”, die er nie bereit war zu überschreiten: Als ihm das Essen des Königs vorgesetzt wurde, reagierte er klug und wollte lediglich Gemüse und Wasser erhalten, um sich durch die babylonischen Gerichte nicht zu verunreinigen (Daniel 1, 8-15). Daniels vorbildliches Leben führte schließlich zur Bekehrung Nebukadnezars. Der mächtigste Mann der damaligen Welt unterwarf sich schließlich Gott (Daniel 4, 31-34). Als Darius (= Dareius I, persischer König 522-486) überheblich wurde und allen Menschen in seinem Reich verbot, zu irgendeinem Gott zu beten, ließ sich Daniel davon nicht beirren. Die Bibel berichtet, dass er die Anweisung hört – und in sein Zimmer geht, um zu Gott zu beten (Daniel 6, 5-11). Er war eher bereit zu sterben als seinem Gott den Gehorsam – das Gebet – zu verweigern. Darius ließ ihn den Löwen vorwerfen. Aus der Löwengrube wurde Daniel jedoch von Gott gerettet (Daniel 6, 17-23).

Was können wir daraus lernen?

Die heutige Zeit ist geprägt von Drangsal, von Hass und von Denunziantentum. Wir Christen in Deutschland leben heute in einer Gesellschaft, die zum zweiten Mal in ihrer Geschichte bereit ist, sich selbst zu zerstören, um einer Ideologie zu folgen. Von Daniel können wir lernen, dass wir uns gegen die Regierungsanordnung nicht auflehnen dürfen – wir könnten nicht einmal etwas daran ändern. Wir haben uns aber gegen Anordnungen zu stellen, sobald Gottes Gebote verletzt werden. Wo wir auch immer durch Gesetze oder Verordnungen dazu gezwungen werden, gegen Gottes Gebote zu verstoßen, müssen wir uns wehren. Dazu ist im Zweifel sogar die Lüge erlaubt, wie es uns die Geschichten von Schiphra und Pua (2. Mose 1, 15-20) oder Rahel (Josua 2, 1-6) zeigen. Wo Menschen durch die aktuelle Anordnungen verletzt oder sogar getötet werden, müssen wir uns Gottes Anordnungen unterwerfen und uns den menschlichen Verordnungen widersetzen.

Im Forum der Zeitschrift IDEA wurde einmal ein Thema heiß diskutiert. Es wurde die Frage gestellt, ob denn Gottes Gebote über den Gesetzen stehen. Für mich ist die Antwort eindeutig: Ja, selbstverständlich stehen Gottes Gebote über den Gesetzen. Gesetze sind von Menschen, aber Gottes Gebote sind vom Schöpfer, der Himmel und Erde gemacht hat. Deshalb gilt: Gesetze sind zu befolgen, weil sie einer Gesellschaft Halt geben. Das gilt besonders für uns Christen, weil wir die göttliche Anordnung dazu haben. Aber: Wenn die Regierung etwas fordert, was Gott verbietet oder die Regierung etwas verbietet, was Gott fordert, dann müssen für uns Christen Gottes Gebote gelten. Selbst dann, wenn wir selbst zu Schaden kommen oder wir sogar unser Leben verlieren. Pastor Jakob Tscharntke sagte in einer Predigt einmal: “Wenn für Gottes Kinder kein anderer Weg möglich ist, haben wir die Aufgabe, willig zu leiden und mutig zu sterben”. Um diesen Mut, auch die schwersten Wege zu gehen, müssen wir in dieser Zeit beten.

Die Zeit, in der wir stehen, können wir nicht ändern – deshalb müssen wir sie so hinnehmen. Sie ist vielleicht sogar gottgewollt – zumindest aber von ihm zugelassen. Was wir tun dürfen und müssen ist: Die Menschen in unserer Umgebung darauf vorbereiten, dass das Ende nahe ist und Jesus bald wiederkommt.

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